Samstag, 30. November 2013

"Jahrhundertkomet" endgültig abgesagt

Komet ISON hat seine Sonnenpassage irgendwie überlebt, aber in sehr schlechtem Zustand. Unmittelbar nach dem Perihel sah man im SOHO C2-Bild nur noch eine feine Spur von Teilchen - Zeichen für eine totale Fragmentierung des Kometen. Diese fingen in den folgenden Stunden an, kometare Aktivität zu entwickeln. Dabei wurde deutlich, dass vorne die größeren Brocken und danach die kleineren Teile daherliefen. Die kleineren sind offenkundig  zur Stunde fast völlig ausgegast und somit verschwunden. Die vorderen wurden beim Fragmentationsprozess unterschiedlich beschleunigt / verzögert, was die Exzentrizität ihrer Bahnen beeinflusst und zu einer Aufspreizung quer zur Bahn führt. Auf den neuesten SOHO-C3-Bildern kann man die Trümmerwolke ganz gut erkennen:


Das, was in 10-Uhr-Richtung weggeht, ist der Staubschweif. Das, was nach 6 Uhr-Richtung weggeht, ist die Trümmerwolke. In dem zentralen Bereich sieht man allerlei Fragmente als kleinen "Sternhaufen". Man sieht auch, dass die Teilchen im oberen Bereich der Trümmerwolke größer und heller sind , als bei der unteren. 

Der Trend, dass sich die Trümmerwolke  ausdehnt (quer zur Zugrichtung), wird sich verstärken. Sicher wird noch etlichen der Trümmer die Luft ausgehen. Eine kurze überschlagsmäßige Simulation zeigt, dass sich die Teilchen am 3.12. auf mehr als 1° verteilen, am 6.12. auf knapp 2,5°. Das mal als grobe Schätzung.

Es gab eine gewisse Restchance, dass ISON doch noch ein großer Komet wird: Wenn er nämlich sich zerlegt UND eine Menge Staub ausschüttet. Das vielzitierte Jahrhundertkometenszenario ging davon aus, dass ISON in etwa das gleiche tut wie seinerzeit Lovejoy, nur doller: Aber an der Staubausschüttung hapert es derzeit. Vor und während des Periheldurchgangs sah ISON gar nicht so schlecht aus. Wenn man aber mal den zum Vergleich immer gerne herangezogenen Komet Lovejoy in der derzeitigen Situation  anguckt, ist der Unterschied dramatisch.

Links Lovejoy. Man sieht einen schmalen Gasschweif, einen sehr hellen Kometenkern und einen immens hellen, leicht nach oben gekrümmten Staubschweif. Lovejoy pustete in der derzeitigen Phase immens viel Staub heraus. Auch Lovejoy hatte sich teilweise fragmentiert. Die Teilchen blieben aber enger beieinander. Als der Komet wieder auf den Nachthimmel wechselte, war der Kern gar nicht so hell, aber der ganze Staub bildete  einen riesigen, mit freiem Auge erkennbaren Schweif. Auch bei ISON (rechts) hier ist Staubentwicklung erkennbar, aber um Größenordnungen weniger als bei Lovejoy.

Was ist zu erwarten, wenn der Komet Anfang Dezember auftritt ?
- Den angedrohten "Super-Lovejoy.Schweif" (Fischer et al. 2013) wird man vergeblich suchen, es wird alles, wenn überhaupt, sehr diffus und großflächig sein. Nichts fürs bloße Auge, nichts für die Medien, Öffentlichkeit und Show.

- Wenn überhaupt Kernfragmente überleben, wird man sie wahrscheinlich teleskopisch oder mit Glück dem Feldstecher auffinden können, und sie werden sich auf eine relativ große Fläche verteilen. Das könnte für den Astrofotorgrafen sogar ganz hübsch werden.

- Es besteht auch die Möglichkeit, dass ALLEN Teilchen am Ende die Luft ausgeht und man gar nichts sieht.

- Ein Szenario "Großer Komet von 2013" in den ersten Dezembertagen kann man ausschließen.  Wohl aber könnte es sich lohnen, die Reste des Kometen, wenn es sie noch gibt, zu verfolgen.

Über die nicht allzu faktenbasierte Kometenhype, die wir schon bein PANSTARRS, aber auch bein ISON hatten, werde ich meine Meinung mal später absondern, und dazu auch ein paar Vergleiche zu Vorgängen in den 1970gern ziehen.

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